Warum tanzen wir? Wir tanzen, weil wir an seine transformative Rolle in der Gesellschaft glauben. Wir tanzen, weil wir es brauchen, weil sich die Welt manchmal so überwältigend anfühlt und der tanzende Körper dann einen Weg findet, diese komplexen Emotionen zu verarbeiten und in sinnvolles Handeln zu verwandeln, in Heilung, Resilienz, in Kunst.
Wir tanzen, um uns mit dem Ungreifbaren zu verbinden, um Teil von etwas Größerem zu sein. Wir tanzen, weil es uns wichtig ist, weil Tanzen ein Akt der Liebe sein kann, uns selbst und anderen gegenüber. Wir tanzen, um die Erde unter unseren Körpern zu spüren und uns daran zu erinnern, dass wir mit der Natur und ihren Zyklen verwoben sind. Wir tanzen, um zu feiern, wir tanzen, um zu trauern. Wir tanzen, um uns zu befreien.
Wenn wir Tanz sehen, wird tief in uns etwas berührt. Ein geteilter Raum öffnet sich zwischen
Tanzenden und Publikum; ein Raum, in dem die Zeit vergessen wird und Präsenz unsere Seelen berühren kann. Weil wir keine getrennten Wesen sind, macht es unsere menschliche Verbindung spürbar, jemandem beim Tanzen zuzusehen, beim Tanzen gesehen zu werden oder gemeinsam zu tanzen. Wer einen solchen Moment kennt, trägt etwas weiter. Still. Einen Menschen, einen Raum nach dem anderen. Was wäre also eine Gesellschaft ohne Kunst, ohne Kultur, ohne Tanz?
In einer Zeit, in der Maschinen lernen, Muster zu erkennen, Bilder zu erzeugen, Sprache zu imitieren, stellt sich eine weitere Frage: Was bleibt menschlich? Vielleicht ist es das, was der tanzende Körper weiß. Ein verletzliches, waches, flüchtiges, unberechenbares Da-Sein in einem Körper, der nicht weiß, was als Nächstes kommt. Tanz verlangt keine Antwort. Er verlangt ehrliche Anwesenheit.
Tanz ist eine künstlerische Disziplin und auch ein Beruf. Heute feiern wir alle Tänzerinnen und Tänzer, Choreografinnen und Choreografen, Probenleiterinnen und Probenleiter, Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen, Organisationen und Institutionen, die so hart dafür arbeiten, diese Kunstform lebendig und sichtbar zu halten. Wir feiern auch all die Tänze, die unseren
Tag erhellen oder uns lebendig fühlen lassen; einen Tanz im Theater, im Wohnzimmer, beim Warten an der Bushaltestelle, einen kleinen Tanz mit dem Großvater in seinem Seniorenheim.
Also, lasst uns weiter tanzen. Wo auch immer, wann auch immer. Happy International Dance Day!
Antonio Papazis und Leila Bakhtali für das Netzwerk Tanzinitiative
Mit der Unterstützung von Theater Bremen